Diese Frage tritt bei mir in letzter Zeit recht häufig auf. Ich glaube zum Einen, weil irgendetwas noch nicht ganz passt in meinem Leben und zum anderen, weil ich noch lernen muss damit umzugehen. Faszinierend wie ich doch aus alter Gewohnheit sofort unangenehme Gefühle und Gedanke wegdrücken will. Das gilt es zunächst erstmal das zu erkennen.
Ich glaube da bin ich mittlerweile schon ganz gut weiterkommen. Erschreckend ist nur, wie oft ich aus alter Gewohnheit sofort alles unterbinde will, was unangenehm sein könnte. Aus Angst es nicht zu ertragen oder dass es nicht weggeht. Aber mittlerweile weiß ich ja, dass es anders geht. Nun sind sie also da … die Gefühle und Gedanken … ich lasse sie mal da sein ohne in Panik zu geraten … ich versuche sie so liebevoll wie möglich anzunehmen …
Ziemlich heftig plagt mich in letzter Zeit wieder ein ungutes Gefühl was meinen Job angeht. Ich sage es anders: Ich glaube schon lange Zeit plagen mich ungute Gefühle was meinen Job angeht, nur jetzt kann ich die Gefühle langsam zulassen und mit einigermaßen ausreichend Abstand anschauen. Ich sehe momentan echt wenig Sinn in meinem Job und durch Corona ist es aktuell noch akuter. Noch akuter daher, da einfach weniger los ist.
Ja, ich trau es mich kaum auszusprechen, aber ich bin unterfordert und gelangweilt. Ich habe einen Job angenommen der weitgehend auf strategischer Abend beruht. Mit ganz viel Freiheiten. Eigentlich will hier kaum jemand was von mir. Was ich anfangs total gut fand, war doch mein vorheriger Job das Gegenteil. Aber ich tue mich gewaltig schwer, so ohne Ziele und Vorgaben von Oben ausreichend Motivation zu finden.
Zudem ist es so, dass alle angefangen Aufgaben irgendwo bei anderen Abteilungen oder Personen liegen und dort keine Priorität haben. Heißt, ich fange etwas an, dann liegt es teilweise Monate irgendwo anders, und nichts wird richtig fertig. Und ich hab teilweise einige Dinge anfangen, die jetzt einfach irgendwo liegen. Zugegeben, es gäbe bestimmt noch ein paar Dinge die ich noch anfangen könnte …. aber das macht für mich keinen Sinn. Und dadurch ist da irgendwie keine Motivation mehr da.
Es bleiben die Erfolgserlebnisse aus und das macht mich sehr unzufrieden zur Zeit. Ich bin schon froh, dass ich mir immerhin eingestehen kann, dass ich solche Erfolgserlebnisse wohl brauche. Und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, war ich schon immer mehr der „Schaffer“ als der „Denker“. Einer der gerne anpackt und einfach macht. Ich habe letzt bei einem Freund im neues Haus beim Boden Legen geholfen. Ich habe für alle Räume die Isolierung zurecht geschnitten und verlegt. Ich habe das sehr eifrig gemacht. Ich habe das gern gemacht.
Aber das beste kam dann von meinem Freund: „Du bist richtig bei der Arbeit aufgegangen, ich hab die noch nie etwas so glücklich machen sehen“. Bähm! Ich glaube das sind so kleine Zeichen die man auch ernst nehmen sollte. Sagen es doch die Freunde die einem schon seit vielen Jahren kennen. Aber was hat mich davon weggebracht? Ich glaube ich weiß es mittlerweile. Fremde Glaubenssätze und Wertvorstellungen. Vor allem von meinem Eltern und der Gesellschaft. Und diese treffen auf ein schwaches Selbstbewusstsein.
Auch in meinem jetzigen Job gab es ab und zu Zeichen. Wenn ich teilweise „einfache“ operative Tätigkeiten mache. Die ich eigentlich gar nicht machen müsste. Aber da spüre ich Motivation. Etwas ordentlich und sauber fertig machen. Und das gute Gefühl, was geschaffen zu haben. Nur leider kommt das viel zu selten vor. Nur diese Sachbearbeiter Tätigkeiten kollidieren gewaltig mit immer noch wirkenden Anspruch nach Karriere. Ich habe doch studiert! Du muss man doch immer weiter auf der Karriereleiter! Oder?
Nein! Muss man nicht! Muss ich nicht! Ich kann diese Selbstdarstellung, Ellenbogengesellschaft, teilweise kindischen Verhaltensweisen in den Managementkreise nicht ertragen. Ich kann das nicht. Ich bin ehrlich, fair und stehe für Gerechtigkeit und Gleichbehandlung. Ganz schwer komme ich mit Personen aus der „Boomer-Generation“ zurecht. Für die nur Statussymbole zählen. Wer hat den höheren Posten? Wer hat mehr zu sagen? Wer bekommt das dickere Geschäftsauto? Wer hat das größere Haus? Ich könnte noch weiter machen. Und ja, es sind nicht alle so.
Aber in meiner Branche tümmeln sich echt viele davon rum. Und ja, natürlich hat das auch mit meinem immer noch nicht ganz verarbeiteten Groll auf meinen Vater zu tun. Der genau das für mich wollte, weil er es selbst nicht hinbekommen hat. Der mich immer mir Druck erzogen hat. Für den solche Statussymbole alles über den Wert eines Menschen aussagen. Und diesere innere Kampf macht auch ihm zu schaffen. Da bin ich mir sicher. Ich bin in vielerlei Hinsicht so wie er. Auch er kann nicht gut mit Druck umgehen. Auch er ist eher „empfindlich“ was zu viel Stress und Überarbeitung angeht.
Aber anstatt zu reflektieren und diesen Widerspruch anzunehmen und zu heilen hat er ihn nochmal verstärkt an mich weitergegeben. Nun ist es meine Aufgabe diesen Widerspruch zu heilen. Aber ich schweife ab. Fakt ist, ich bin gerade dabei raus zu finden was ich will, was mir gut tut, was möglich ist. Das ist ganz neu für mich. Und momentan habe ich die Befürchtung dass rauskommt, dass ich was ganz anderes machen muss um langfristig glücklich zu sein. Dass ich finanziell von vorne anfangen muss. Dass das Geld nicht reicht.
Aber vorher habe ich meinem Chef mögliche Veränderungen besprochen. Hin zu mehr operativer Arbeit. Er hat gesagt, das is möglich. Ich bin gespannt ob es auch wirklich klappt. Dann ist das vielleicht nicht die Lösung bis zu meinem Lebensende, aber ein Schritt in die richtige Richtung.












