Immer wieder taucht bei mir ein innerer Konflikt auf. Dieser Konflikt ist schon sehr lange da und immer habe ich versucht dieses unangenehme Gefühl zu verdrängen. Erst jetzt, im Rahmen meiner Psychotherapie, komm ich so langsam Stück für Stück dahinter woher diese Konflikte kommen.
Und da kommt auch wieder meine Hochsensibilität ins Spiel. Ich fühle mich tief im Inneren oft nicht männlich genug, hart genug, belastbar genug. Dazu die Stimme die sagt: „Was wenn du eine Leitungsposition hättest, wenn du Kinder hättest, wenn du ein Haus/Baustelle hättest?“ … „Du würdest das nicht schaffen!“
Diese Glaubenssätze kommen immer wieder und lösen bei mir Konflikte aus, die ich mittlerweile immerhin wahrnehmen kann aber noch dabei bin diese Stück für Stück aufzulösen. Ich rede mir meine Hochsensibilität schön: „Ich will sowieso keine Karriere“ … „Ich will sowieso keine Kinder“ … „Ich trinken sowieso ungerne Alkohol“ … „Ich rauche sowieso nicht gerne“ … „Ich verzichte auf übermäßigen Konsum“ … „Ich lese gerne“ … „Ich bin gerne in der Natur“ … „Ich gehe gerne spazieren mit Freundinnen“ …
Einerseits stimmt das alles auch zu großen Teilen. Andererseits widerspricht das einer tiefen inneren Stimme, die sagt wie ich sein möchte. Diese Stimme sagt: „Sei ein richtiger Mann“ … „Sei draufgängerisch und nicht so schüchtern und lieb“ … „Sei nicht so ruhig“ … „Jammer nicht so viel und beiß die Zähne zusammen“ …. Kurz und knapp: Ich will sein wie der „Marlboro Man“ auf den alle Freue stehen: Rauchen, Trinken, nichts gesunde Ernährung und Lebensweise, wenig Schlafen, viel Arbeiten, Feiern gehen, Frauen aufreißen, Sagen wo es lang geht.
Und ich rede mir ein: Das was ich jetzt alles so tue, muss ich halt tun, weil ich eben empfindlich und hochsensibel bin und mein Körper mir nichts verzeiht. Ich denke man kann den Konflikt erkennen. Woher kommen diese Glaubenssätze? Ganz klar aus meiner Kindheit. Ich musste immer für Mama da sein und Mama beschützen vor Papa, Papa nimmt mir das übel und sagt mir, dass ich ein Muttersöhnchen bin. Mama spielt die Harte und ungerecht behandelte und vermittelt, dass man immer die Zähne zusammenbeißen muss und nicht jammern darf. Über Gefühle und Schwäche wird sowieso nicht gesprochen.
Man darf sowieso nie krank sein. Man muss immer Leistung bringen. Papa hat es nie soweit gebracht, was er gerne über meine Karriere kompensieren möchte. Mama findet sowieso, Papa hat es zu nichts gebracht. Ich könnte noch ein paar Dinge aufzählen aber ich denke, man weiß worum es geht. Ich will der harte, erfolgreiche Mann sein und nicht das weiche Muttersöhnchen.
Darunter haben auch meine zurückliegenden Beziehungen gelitten. „Ich bin nicht stark genug“. Deshalb fällt es mir schwer Frauen kennen zu lernen, da ich ja denke: „Ich bin nicht stark genug“. Ich bewundere meine Freunde die Frauen einfach offensiv ansprechen und zum Tanzen auffordern. Und ich date auch noch Frauen, die solche Männer suchen und wundere mich dann, dass daraus keine Beziehung wird. Möglicherweise versuche ich auch noch mich zu verstellen und das merkt man natürlich irgendwann.
Und dieser Glaubenssatz kommt immer wieder und beschert mit ein ungutes Gefühl bei dem wie ich bin und was ich tue. Was kann ich tun? Ich kann diese Glaubenssätze nicht löschen. Aber ich kann sie erkennen und dann hinterfragen mit viel Mitgefühl. Ich darf mir Frauen aussuchen, die nicht auf „Marlboro Männer“ stehen sondern auf ruhig, verlässliche, vertrauensvolle Männer stehen. Auch wenn ich es manchmal nicht glauben will, ich denke solchen Frauen gibt es und diese passen dann auch zu mir.
Im Zuge des Ganzen versuche ich gerade auch meine Werte und Ziele neu auszuarbeiten und zu schauen was und warum mir wirklich wichtig ist. Das ist wirklich schwer, weil ich noch nie so wirklich auf meine innere Stimme gehört habe und noch dabei bin die Sprache zu verstehen. Auf jeden Fall ist es wohl nicht gut meine Werte von oben damit zu begründen, dass ich das halt machen muss, weil mir nichts anderes übrig bleibt, weil ich so empfindlich bin.
