Es haben sich glaube schon Beiträge um dieses Thema gedreht. Und es werden sich wohl auch zukünftig noch Beiträge mit dem Thema Bedürfnisse beschäftigen. Weil es für mich einfach immer wieder ein präsentes Thema ist. Ich bin immer noch dabei zu entdecken was meine eigenen tiefen Bedürfnisse sind und diese dann auch zu akzeptieren.
Ich kann manchmal immer noch besser die Bedürfnisse anderer Menschen besser wahrnehmen als meine eigene. Beziehungsweise geht meine Aufmerksamkeit leicht zu dem Befinden anderer über anstatt bei mir mir zu bleiben. Aber was sind nun meine Bedürfnisse? Tja, das ist manchmal schwer. Und um diese zu spüren muss ich alle Gefühle zulassen und aushalten.
„Aushalten“ war für mich immer ein schwieriges Wort. Es hat was von „Du musst da durch, Du musst die Zähne zusammenbeißen, du darfst nicht jammern …“ So habe ich es interpretiert. Das hat Druck aufgebaut. Ich habe irgendwo mal einen guten Beitrag zum Thema Gefühle aushalten gelesen und dort gab es einen Satz der mir geholfen hat den Druck rauszunehmen:
„Aushalten heißt, sich selbst zu halten. Mit allem was da ist.“
Ich habe einen kindlichen Anteil in mir, der das starke Bedürfnis nach Sicherheit, Geborgenheit und Trost hat. Dieses Bedürfnis wurde nie richtig befriedigt. Warum? Aus Scham sich verletzlich, bedürftig, traurig, schwach zu zeigen. Und irgendwann aus Angst überhaupt unangenehme Gefühle zu spüren. Aus Angst sie nicht aushalten zu können.
Aber wie kann ich mir selbst Halt geben? Dazu ist es sinnvoll sich selbst spüren zu können. Bei sich zu sein. Bei seinen Bedürfnissen zu sein. Die Bedürfnisse einzugestehen. Nach seinen Bedürfnissen (und Werten) zu handeln. Das sind bei mir vor allem Situation in denen das „funktionieren“ verfliegt. Wenn die Motivation mal sinkt, wenn ich schlechte Laune habe, wenn ich krank bin, wenn es mir einfach nicht gut geht.
Ich muss gestehen, mir ist es in solchen Momenten tatsächlich nach kindlichen Bedürfnissen und mir fällt es schwer dazu zu stehen. Ich wäre gerne an einem sicheren, geschützten Ort wo ich einfach nur sein kann ohne was zu leisten. Ich denke an die Dinge, die mir als kleines Kind Trost gegeben haben: Hörspiele hören, gemütlich auf der Couch in die Decke einkuscheln, mit meinem Lieblingskuscheltier kuscheln, ein bisschen Fernsehen schauen, eine Portion Pommes essen usw.
Und ehrlich gesagt ist da auch der Wunsch nach einer Partnerschaft. Oh mein Gott, es heißt doch man muss sich alles selber geben können! Nein! Ich habe das Bedürfnis nach Partnerschaft, nach Nähe, nach Intimität, nach Berührung, nach Kuscheln, nach Sex. Und manchmal tut es weh, dass dieses Bedürfnis schon so lange unerfüllt ist. Und das heißt nicht, dass ich jetzt irgendjemand suche um schnell, schnell jemand zu haben. Nein … das kann ich nicht … Manchmal würde ich es gerne können, aber ich kann es nicht. Es muss passen bei mir.
Ich habe mir tatsächlich mein Kuscheltier aus meiner Kindheit von meinen Eltern geholt. Und wenn ich Trost brauche oder Nähe, dann nehme ich es in die Hand und drücke es fest. Es gibt mir Halt. Ich gebe mir Halt. Ich höre Hörspiele aus Kindertagen (Die drei Fragezeichen :-)) und versuche mich wohlwollen zu behandeln. Ja, ich versuche ist. Weil da ist ein Konflikt. Alte Glaubenssätze die mir sagen das ist nicht in Ordnung. Du bist nicht Ordnung wenn du das machst. Du bist nicht in Ordnung wenn du jammerst, krank bist, bedürftig bist.
Und jedes mal kommen diese Stimmen und es tut sich ein Widerstand auf. Und jedes Mal versuche meine Gefühle, meine Gedanken, meine Bedürfnisse wohlwollend anzunehmen. Und ich habe das Gefühl, naja ich hoffe es auch, dass der Widerstand jedes Mal ein bisschen kleiner wird. Und auch die Angst kleiner wird. Weil ich mit jedem Mal, bei dem ich bewusst durch solche Momente / Phasen gehe merke:
„Okay, es ist da. Es ist unangenehm. Es geht aber vorbei. Habe ich schon hundertmal erlebt. Jedes mal ging es vorbei. „
Ich habe mich eigentlich ein bisschen von dem „Heilen“ Credo entfernt. Weil es bei mir jedenfalls doch manchmal wieder Druck auslöst nach dem Motto: Du musst dich weiterentwickeln, Du musst an dir arbeiten, Du musst anders werden“. Ja ich weiß bescheuert, aber das geht schnell bei mir. Ich finde das Wort integrieren fast besser.
Sagt es doch aus, da ist was, das gehört zu dir, das ist in Ordnung, das darf bleiben, nehme es an. Und ich glaube es ist einfach meine Aufgabe, diesen unbefriedigten, alten Anteile zu integrieren. Nachdem sie schon lange unbefriedigt waren und noch viel schlimmer: von mir verleugnet wurden! Ich tue dann was mir gut tut. Egal was es ist und mag es noch so kindisch sein. Scheiss drauf.
Und vielleicht kann ich mich zukünftig noch besser zeigen, wenn ich verletzlich, traurig, bedürftig bin. Gegenüber Freunden, gegenüber der Familie. Denn Verbundenheit ist Balsam für ungeliebte Schamgefühle.
Würde mich sehr über Kommentare dazu freuen 🙂 Das würde wiederum Verbundenheit schaffen.
Ich habe auch ganz viele alte Kuscheltiere wieder rausgekramt. Und ich liebe sie! Das erinnert mich auch immer daran, dass ich verletzlich sein darf und, dass ich mich um mein inneres Kind kümmern darf/muss 🙂
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Ich bin froh da nicht alleine zu sein. Danke für deine Antwort 😊
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