Die perfekte Spiritualität

Wenn man sich mit Spiritualität, Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt bleibt eigentlich kein gutes Haar am Fernsehen. Es heißt Fernsehen macht nicht glücklich, Fernsehen ist Ablenkung von den Gefühlen, Fernsehen ist Verdrängung von Gefühlen und so weiter. Auch hat man irgendwie dieses Bild von Familien der Unterschicht, bei denen Papa mit Unterhemd und Bier den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzt und die Kinder am besten noch daneben, dass man sich mit ihnen nicht beschäftigen muss.

Am Besten man hat gar kein Fernseher. Verbringt seinen Alltag mit kreativem Schaffen, Lesen, Gesellschaftsspielen und gemeinsamen Unternehmungen. Also irgendwie alles außer Fernsehen. Netflix ist komischerweise wiederum ganz okay. Hauptsache man hat keinen Fernseher zu Hause. Ich gebe zu, das wirkt bei mir. Ich habe ein schlechtes Gewissen wenn ich Fernsehe. Ich fühle mich faul und nichtsschaffend.

Wenn der Alltag da ist fällt es mir auch relativ leicht auf den Fernseher zu verzichten. Wenn viel am Tag los war brauche ich eher Pause von den Reizüberflutungen. Aber manchmal ist da doch der Wunsch nach Berieselung des Fernsehprogramms. Ich gebe es zu. Vor allem in Zeiten an denen es ruhiger wird. Wenn ich wie zurzeit Urlaub habe und wenig angesagt ist. Alle sind bei ihren Familien. Frühstück und Spaziergang sind hinter mir. Ich habe etwas geschrieben, habe etwas Klavier spielen geübt, einen Kaffee getrunken.

Auf Lesen habe ich keine Lust. Okay, das Bad könnte ich mal wieder putzen aber ich habe keine Lust, da nicht unbedingt notwendig (für mich) und es kommt in den nächsten Tagen kein Besuch. Einkaufen gehen habe ich auch keine Lust, hab für heute noch alles da. Wohnung putzen nicht unbedingt notwendig. Eine zarte Langeweile kommt auf. Bringt wenig mir jetzt Druck zu machen mit dem was ich doch alles machen und tun könnte.

Es ist ruhig, wie so oft die Tage. Obwohl ich eigentlich jeden Tag jemand treffe (zumindest auf einen Kaffee) macht sich eine leichte Wehmut breit. Ist es Einsamkeit? Ich weiß noch nicht so recht. Ich würde mir gerne was Gutes tun. Vielleicht ein bisschen Ablenkung? Böses Wort! Ablenkung ist Verdrängung! Das ist schlecht, wollen mir meine Gedanken sagen. Du musst stark sein!

Ich habe mir dann oft das Fernsehen verboten. Ganz nach dem spirituellen Perfektionismus. Am Besten alles wegmeditierend was da ist. Durch die Gefühle gehen. Aber was soll mir das Fernsehen geben? Ist es die Ablenkung? Ist es Verdrängung? Ich stolpere immer wieder an dieser Stelle. Aber mal ganz im Ernst, was ist so schlimm daran sich einfach mal auf die Couch zu hauen und ein paar Stunden fernzusehen wenn man Zeit dazu hat?

Ich war die Tage bei meinem Bruder zum Essen. Während gekocht wurde und vor dem Essen sind wir auf der Couch gesessen und haben zusammen Fernsehen geschaut. Natürlich haben wir uns über das schlechte Fernsehprogramm beschwert. Und haben an alten Zeiten gedacht, als man noch mit der ganzen Familie vor dem Fernseher gesessen hat und Sendungen wie Wetten Dass… gesehen hat, während die Jugendlichen heute alleine im Zimmer sitzen und auf der Play Station zocken.

Aber Moment mal. Da war irgendwie was. So ein Gefühl. Gemeinsam vor dem Fernseher. GEMEINSAM!. Ja, das ist ein wohliges Gefühl. Der Tatort am Sonntag. Kevin alleine zu Hause an Weihnachten. Wintersport am Wochenende. Tour de France im Sommer. Ist das alles schlecht? Muss man immer produktiv, kreativ, achtsam usw. sein? Kann man das immer?

Ich kann es irgendwie nicht. Sorry, da muss ich ganz ehrlich sein. Warum soll ich mir das Fernsehen verbieten, wenn es mir manchmal gut tut. Mal mehr mal weniger. Mal 20 Minuten. Mal 3 Stunden. Mal garnicht. Mal den halben Tag. Vor allem an so verregneten, dunklen Tagen. Ich muss gar nichts heute. Ich will faulenzen und fernsehen.

Ein Kommentar zu “Die perfekte Spiritualität

  1. Hey Julian, danke für den Beitrag. Ich kann nur zustimmen, Fernsehen gehört zum Faulenzen dazu, und es gibt ja richtig gute Qualität – Künstler die viel Arbeit hereinstecken und so weiter.. Das Pseudo-Heilige-Getue kann von einigen sehr anstrengend sein 🙂 Auch wenn ich die heutige Jugend nicht abstempeln würde, das sie nur monoton Playstastion spielen würde, das machen die glaube, wie wir damals auch, ja im Multiplayer-Mode 😉

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