Fazit Sommerurlaub ’21

Jedes Urlaubende fühlt sich an wie ein kleiner Umbruch. Grund genug vorher nochmal kurz anzuhalten, in mich zugehen und den Status zu checken. Urlaub ist bei mir immer so ein zweischneidiges Schwert. Einerseits natürlich toll Pause von der Arbeit zu haben, andererseits ist da die Tagesstruktur weg. Schwierig für die Leute, die sich ihren Selbstwert lediglich anhand ihres Tuns bilden.

Also was mir weiterhin schwerfällt ist die Tatsache, dass ich immer noch viel Schlaf brauche und trotz ausreichend Schlaf morgens nie komplett fit bin. Gut zu wissen aber, dass das meistens im Tagesverlauf nachlässt. Es hilft mir verständnisvoll mit mir zu sein und das Vertrauen, dass meine Kräfte immer da sind wenn ich sie brauche. Manchmal bin ich einfach nur wütend, dass es kaum besser wird.

Ich würde gerne mehr leisten können. Mehr unternehmen können. Aber das scheint mir zumindest im jetzigen Lebensabschnitt nicht gegeben zu sein. Und mehr Motivation und Antrieb kann man sich nunmal nicht auf Knopfdruck herzaubern. Entweder es ist da, oder nicht. Ich merke wie ich es schaffe immer mehr stolz auf mich zu sein. Und zwar bei den kleinen Dingen des Alltags, die ich immer so als selbstverständlich gesehen habe.

Ich habe vor ein paar Tagen relativ spontan ein neues Fahrrad gekauft. Das hatte ich schon länger vor aber nun war der richtige Zeitpunkt. In diesem Zug wollte ich mein aktuelles am liebsten vorher noch verkaufen, so dass ich nicht auf mein Sparbuch zugreifen muss. Ja, das war stressig für mich. Das Fahrrad war relativ schnell verkauft aber ich musste noch alles putzen, sauber machen, schmieren, den Kaufvertrag fertig machen, den Fahrradträger auf dem Auto montieren.

Früher wäre ich irgendwann einfach wütend auf mich selbst geworden. Diesmal konnte ich das geleistete einfach anerkennen und irgendwie auch eingestehen dass das für MICH stressige Tage waren. Sorry, not sorry. Ich habe ganz viele Erfahrungen aus meinem kurzen Campervan Urlaub an der Nordsee mitgenommen. Erfahrungen die gut waren, Erfahrungen die nicht so gut waren. Ich habe rausgefunden was ich mehr möchte, was ich weniger möchte. Ohne jetzt ins Detail zu gehen.

Ich tu mich mit kleinen Veränderungen in meinem leben immer noch schwer. Date mit relativ unbekannter Frau, Campervan ausleihen ohne Erfahrung, auf Geschäftsreise mit wenig bekannten Arbeitskollegen, neuer Job, neues Auto usw. Ich mag einfach Sicherheit und vertrautes und das ist in Ordnung so. Aber es gibt da so einen Gedanken bei mir, den ich mir in solchen Situationen immer sage und der aus Erfahrung einfach so stimmt:

„Ja, könnte scheisse werden … aber könnte auch richtig gut werden“

Und auch wenn es scheisse wird überlebt man das. Es geht vorbei. Und oft nimmt man dadurch einfach auch irgendwelche Erfahrungen mit. Aber man muss sich nicht jeden Tag neuen Erfahrungen aussetzen. Ich muss mich nicht jeden Tag neuen Erfahrungen aussetzen. Man kann auch einfach mal nur die Sicherheit und Geborgenheit genießen.

Auf meiner TO-DO Liste steht immer noch die offene Frage: Wer will ich sein? Wie will ich von anderen gesehen werden? Ich tu mich schwer diese Fragen zu beantworten. Aber ich glaube ich will Mensch sein, der offen und authentisch mit seinen Schwächen und Gefühlen umgeht. Und ich will meinen Mitmenschen anbieten dass auch mir gegenüber tut zu können. Der Teufel auf meiner einen Schulter ruft gleich: „Haha … das willst du doch nur, dass alle dich mögen und niemand dich ablehnt. Du siehst doch wo dich dein Helfersyndrom hingebracht hat“

Aber mittlerweile gibt es auch einen Engel auf der anderen Schulter der sagt: „Ich tue das nicht um Ablehnung zu vermeiden. Ich tue das um die richtigen Menschen in meiner Nähe zu haben. Leute die damit nicht umgehen können werden gehen und dürfen das auch. Leute die das an mir mögen werden bleiben. Und ja, ich werde immer mehr der Zuhörer sein als der Redner und weiterhin für viele da sein und ab und zu wohl auch wieder über meine Grenzen gehen was Geben und Nehmen angeht. Aber das ist nunmal eine Charaktereigenschaft von mir. Die kann ich nicht weg machen. Sie hat Vorteil und Nachteile. Aber ich darf Sie richtig dosieren und auf mich aufpassen.Ich darf für mich einstehen, wenn es mir zu viel wird und ich auch mal jemand zum Zuhören brauche“.

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mir selbst. Vielleicht wird er nochmal verworfen. Vielleicht einfach nur ein bisschen geändert. Aber meine Empathie ,der Sinn für Gerechtigkeit, das Bedürfnis Schwächeren helfen zu wollen gehören definitiv zu mir. Und weißt du was: Ich nenne sie ab heute: Meine Stärken!

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