Immer wieder mal beschäftige ich mich Achtsamkeit, Bewusstheit und Akzeptanz. Wenn es uns gut geht dann läuft natürlich alles von selbst. Aber was wenn nicht? Ich habe gelernt in Momenten in denen es mir nicht gut geht bzw. in denen ich leide meine Gefühle zu beschreiben (Achtsamkeit) und zu akzeptieren (Akzeptanz). Das war schon ein großer Schritt für mich.
Bei mir stellt sich oft Ärger und Wut ein. Wenn ich frustriert bin, wenn ich traurig bin, wenn es Misserfolge gibt, wenn etwas nicht so läuft wie ich will. Das ist auch auch völlig okay. Ich habe die Gefühle da gelassen, nicht bekämpft, „versucht“ zu akzeptieren. Aber irgendwie ist da immer noch was ablehnendes in mir. Irgendwas was, was dagegen ankämpft. Ich bin über ein Zitat gestolpert, was mich nachdenklich gemacht hat:
„Selbstmitgefühl ist die Fähigkeit zu erkennen, dass man gerade eine leidvolle Erfahrung macht, sich diese spüren zu lassen und sich selbst liebevoll dabei zu umsorgen – auf mentale, emotionale und körperliche Weise oder durch ein bestimmtes Verhalten“
Okay, interessant. Hier geht meiner Meinung nach schon das Vergleichen los. Was für mich eventuell schon leidvoll sein kann, ist für andere wahrscheinlich noch völlig okay. Sollte nicht jede leidvolle Erfahrung akzeptiert werden? Klassisches Beispiel: Für mich ist ausreichend Schlaf echt wichtig für mein Wohlbefinden. Wenn ich mal eine Nacht weniger schlafe wirkt sich das direkt auf meine Stimmung und mein Wohlbefinden aus.
Was kriegt man zu hören, wenn man das irgendjemand erzählt? „Stell dich nicht so an … Dein Leben hätte ich gerne …. ich schlafe seit 2 Jahren nicht durch wegen meiner Kinder…“ und so weiter. Sofort fühlt sich meine leidvolle Erfahrung nicht berechtigt an im Vergleich und ich bin wütend auf mich selbst, dass ich so eine Memme bin.
Hat nicht jeder irgendwie unterschiedliche Bedürfnisse und Grenzen / Kapazitäten? Diese Vergleiche habe es immer schwer gemacht meine leidvollen Momente zu akzeptieren. Weil ich auf dem Papier doch alles habe … ein gutes Einkommen … eine eigene Wohnung usw. Wenn man genug Geld hat, dann hat man sich doch sowieso nicht zu beschweren. Anderen geht es ja noch schlechter.
Wenn man sich selbst gegenüber in solchen Momenten sehr ablehnend verhält hilft es sehr sich eine Person im Freundes- oder Familienkreis vorzustellen, die gerade die gleiche leidvolle Erfahrung macht. Natürlich sollte das eine Person ein die man sehr mag. Komischerweise kommt da dann Mitgefühl auf. Es ist dann dann unerheblich an wen ich denke, wichtig ist, dass das Mitgefühl aufkommt. Eine wohlwollende Haltung.
Und ganz wichtig: Es wird Menschen geben die in der selben Situation völlig souverän sind und spielend damit umgehen. Es gibt aber auch Menschen, die in solchen Momenten genauso fühlen wie du. Dieser Gedanke hilft mir, meine leidvolle Erfahrung „anzuerkennen“. Das ist glaube ich ein ziemliches Schlüsselelement für mich.
Natürlich gehört dann noch Selbstfürsorge dazu in weiteren Schritten. Aber bevor ich nicht akzeptiere, dass es mir aus gewissen Gründen so geht, wie es mir nunmal geht, brauch ich garnicht weiter machen meiner Meinung nach. Und man muss dringend aufhören sich zu vergleichen. Es wird immer jemand geben der klüger ist, besser ist, robuster ist, leistungsfähiger ist. Jeder hat andere Talente, die alle wertvoll sind.
In unserer Gesellschaft hat nur irgendjemand mal gesagt, dass es wertvoll ist bis spät Abend zu arbeiten, jeden Tag uns Fitnessstudio zu gehen, nebenbei die Kinder großzuziehen, eigenes Haus usw. Fleiß ist wertvoll. Bist du nicht fleißig bist du schlecht. Bis um 10 geschlafen heute? gechillt heute? Nicht viel erledigt heute? Nur einen Blogeintrag geschrieben heute? Nicht wertvoll!
Und wenn da kein Verständnis für deine Situation bei Freunden und Familie da ist, sollte man sich zumindest bei den Freunden überlegen, ob das die richtigen sind. Dafür brauch man natürlich Freunde, die auch mit ihren eigenen leidvollen Erfahrungen dementsprechend umgehen können.
Denn eins kann ich aus Erfahrung sagen: Wenn man sein eigenes Leid nicht anerkennt, kann man auch das Leid seiner Mitmenschen nicht akzeptieren!