Du bist was du leistest !?

Der Weg der Selbsterkenntnis ist manchmal steinig und geht so gar nicht voran. Etwas über das ich immer wieder stolpere ist mein Selbstwert, beziehungsweise dessen Abhängigkeit von Leistung. Besonders schlimm an so Tagen wie heute, an denen es heiß ist. Nach dem Motto „alle sind draußen und sind aktiv und unternehmen was, nur du nicht“.

Aber lass uns mal genauer hinschauen was da ist: Ich bin wütend, ich bin wütend auf mich, ich bin wütend auf mich weil ich manchmal so antriebslos bin. Raus will ich gerade irgendwie nicht, zu meinem Gemüsebeet fahren zum Gießen hab ich gerade auch nicht so Bock, auf der Couch gammeln mit dem iPad und YouTube und Netflix unsicher machen habe ich auch kein Bock. Putzen muss ich nicht unbedingt, Geschirr ist gewaschen usw.

Okay man könnte sagen, irgendwas gibt es immer zu tun. Okay mag sein, aber ich habe gerade keine Lust. Das macht mich wütend auf mich selbst. Wütend auf alle Freunde, dass sie nicht jeden Tag Zeit haben was mit mir zu unternehmen. Dabei weiß ich wie unrealistisch es ist auf meine Freunde wütend zu sein. Ich hab ja keine Lust, und eigentlich auch keine Lust was zu unternehmen. Und wenn ich trotzdem was unternehme mit Druck, Hauptsache das was Genacht ist, spüre ich dabei keine Befriedigung.

Das habe ich schon zu oft versucht. Ich funktioniere dann einfach nur und schiebe alles beiseite. Das einzige was hilft, ist die Tatsache mit dem daraus entstehenden Gefühl anzunehmen. Und mit einmal annehmen ist es nicht für immer getan, denkste. Immer wieder muss ich rausnehmen und zurück kommen. Zu schnell komme ich immer wieder mit dem Zorn auf mich selbst zurück, weil ich irgendwas nicht so gut gemacht habe oder garnicht gemacht habe. Zu groß ist die Gewohnheit. Da kann ich nur immer wieder bewusst bleiben.

Was mein Bedürfnis in solchen Moment ist? Wertschätzung, Selbstannahme, Akzeptanz. Und zwar mir selbst gegenüber. Mir bringt es nichts, wenn mich Leute loben und schätzen, wenn ich mir das selbst dich annehme, dass ich wertvoll bin. Okay, lass uns das nochmal beschreiben und aussprechen:

„Ich bin wütend weil ich gerade antriebslos bin. Ich würde mir gerade mehr Anerkennung und Wertschätzung mir selbst gegenüber wünschen, weil mein Wert nicht davon abhängig ist was ich leiste“.

Das Schreiben bringt irgendwie immer ein bisschen Linderung. Glaube einerseits, weil es das einzige ist worauf ich doch noch Lust habe in solchen Phase. Andererseits trägt es zur Selbstannahme bei, weil ich es erzähle und teile und mich zeige, so wie ich bin.

Die Wut ist nicht komplett verflogen und ich bin jetzt immer noch euphorisch und stürme raus in die Sonne und hüpfe singend auf der Wiese. Aber es ist eine Wärme dazugekommen, ein leichtes Gefühl der Selbstliebe. Es hat sich was reingemischt. Feine Nuancen die sich immer wieder ändern. Ich kann etwas lächeln. Weil ich zumindest zeitweise bei mir und meiner Wut bleiben kann. Sie nicht wegdrängen will. Sie will angenommen werden, sie will gehört werden.

2 Kommentare zu „Du bist was du leistest !?

  1. Hey Julian, endlich komme ich hier noch dazu, dir zu schreiben. Danke für das Teilen deiner Gefühle und Gedanken, die sehr wahrscheinlich die meisten von uns kennen 🙂 Ich zumindest auch, denn wir sind nicht allein. Interessant das es in dir eine solche Wut auslöst, der Körper mag halt ab und an Pause und vor allem mag er gar nicht so sehr Struktur, wie wir ihm sie immer verpassen wollen, etwas Chaos tut zumindest mir gut. Das probiere ich zu akzeptieren zu lernen. Und die Pflanzen im Garten, da lassen sich bestimmt welche finden, die so ticken wie du 🙂

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    1. Hey Freidenka, danke für deine Antwort. Das mit den Pflanzen stimmt. Jede brauch was anderes. Aber man brauch vor allem Geduld. Das hat mich schon herausgefordert ☺️ Einfach sein lassen und gucken was entsteht. Ich werde mal drauf achten welche Pflanze zu mir passen würde 😉

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