#5: Erwartungen

Es ist schon interessant wie sich ein Leben verändern kann wenn man aus dem ständigen Bewerten rauskommt bzw. wenn dieses bewusst wird. Die Unterteilung in Gut und Schlecht die durch die Gesellschaft oder die Erziehung vorgelebt wird. Das kann man alles hinterfragen und für sich neu definieren.

Noch präsenter war für mich über die Feiertage das Thema Erwartungen. Wie viele Menschen doch irgendwelche Erwartungen an Freunde und Familie haben und dann gekränkt, beleidigt, traurig, wegstoßend reagieren wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Und warum? Na zum einen weil man zwischen Erwartungen und Wünschen unterscheiden sollte. Wünsche an unsere Mitmenschen darf jeder haben und auch formulieren.

Der andere hat aber auch das Recht diesen Wunsch nicht erfüllen wollen zu dürfen (Komplizierter Satz). Bei Erwartungen geht man ja schon irgendwie davon aus, dass der andere diese erfüllen muss. Da kann man ja oft nur enttäuscht werden. Zudem lassen sich Wünsche viel besser kommunizieren als Erwartungen.

„Der hat mir weniger geschenkt …. Die hat mich nicht zum Geburtstag eingeladen …. Der meldet sich nicht oft wie ich mich…“ und so weiter. Ich stelle diese Phänomen auch ordentlich in unserer Familie fest. Jeder irgendwie mit jedem beleidigt, aber keiner kann darüber sprechen. Die Scham ist zu groß sich bedürftig zu zeigen, Wünsche zu äußern, Fehler einzugestehen. Ich habe keine Lust da mitzumachen. Ich will Offenheit, Wahrheit, Verletzlichkeit.

Ich bin diesen Personen auch nicht böse. Sie können nicht anders. Sie haben es nicht anders gelernt. Ich kann nur sagen, dass zumindest an meiner Linie des Stammbaums damit Schluss sein soll. Und nein, auch nicht bin nicht perfekt und kann alles sofort super. Aber ich kann mir im Nachhinein Gedanken darüber machen und feststellen, dass ich vielleicht nicht alles richtig gemacht habe.

Ich finde dieses Thema übrigens auch zum Thema Partnersuche sehr interessant. Ich habe mich letzt mit einer ebenfalls Single Freundin darüber ausgetauscht. Faszinierend wie sehr wir doch einem Bild hinterher jagen wie dies und das sein muss. Man muss beim ersten Begegnen hin und weg sein. Es muss kribbeln. Es müssen tausend Gesprächsthemen da sein. Es muss funken und so weiter. Wir denken an unsere erste große Liebe mit 20 und denken, dass diese Gefühle von damals sofort wieder da sein müssen, sonst ist es nicht das Richtige.

Ich ertappe mich auch selbst dabei. Wie gesagt, auch mir geht es so. Aber ich habe auch darauf keine Lust. Man muss doch einen Menschen erstmal kennen lernen. Zeit mit ihm verbringen. Nicht gleich urteilen. Anziehend finden, vielleicht wieder kurz aus den Augen verlieren. Dann vielleicht noch anziehender finden. Vielleicht die guten und komischen Seiten mögen. Vielleicht auch lieben lernen. Aber das alles hat sein eigenes Tempo.

Das Problem ist, dass wir mit Tinder und co. so eine riesige Auswahl haben. Wenn mir beim Kennenlernen etwas nicht gefällt frage ich mich doch ob sich das lohnt, weil es ja noch so viel andere gibt die vielleicht besser passen. Und auf dem Bildern sehen die doch alle so süß und liebenswert aus. Puh, da könnte meine Traumfrau dabei sein.

Aber zurück zu den Erwartungen. Ich finde es sehr erdrückend wenn alle irgendwelche Erwartungen an einen haben. Ich möchte meine engsten Freunde darüber aufklären und davon erzählen wie mir es damit geht. Ich bin mir sicher, dass jeder das auch kennt und sogar ein präsentes Thema hat. Ich finde es vor allem schwierig innerhalb Familien. Man muss nicht über seinen eigene Grenzen, Werte, Ressourcen gehen um es anderen recht zu machen. Ich finde bei Familien wird das oft übersehen.

Quelle: https://lustauferfolg.ch/wp-content/uploads/Erwartungen.jpg

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