J*** aus dem Kopf

Echt interessant wie man bei gewissen Themen immer wieder in die alten Muster fällt. Der absolute Klassiker bei mir: Keine Bedürfnisse haben. Wenn ich Bedürfnisse habe oder sogar äußere werde ich abgelehnt.

So finde ich doch immer wieder Frauen anziehend die sich nicht binden wollen, obwohl ich den Wunsch nach einer festen Partnerschaft habe. Das Gefühl der Nähe, der Anziehung, der Geborgenheit ist dann so schön, dass ich dann irgendwie dran bleibe und hoffe, dass sich schon was ergeben wird. Sie muss nur merken wie toll es mit mir ist / oder wie toll ich bin. Ich versuche dann mich anzupassen. Wenn ich nur immer mehr beweise, dass ich ein toller Partner wäre wird sie es schon irgendwann merken.

So läuft es auch mit dir:

Die Treffen sind wunderschön. Die Zeit vergeht immer wie im Flug. Von Anfang an war eine Vertrautheit da. Wir kommen uns von Mal zu Mal behutsam näher. Wir melden uns beide zurück wie toll wir es fanden und wie gerne wir Zeit miteinander verbringen. Ich bin hin und weg und kann mir vorstellen mich näher auf dich ein zu lassen.

Das erste Warnsignal: Du meinst du brauchst ewig bis du dich auf jemand einlassen kannst zwecks Beziehung und es am Ende doch immer wieder enttäuschend ist. Du interessierst dich für nicht monogame Beziehungsformen.

Okay, autsch. Irgendwas will mir da mein Körper sagen. Ich gehe mal drüber weg, weil ist ja so schön mit dir und das wird sich schon regeln. Du schleißt ja eine Beziehung mit mir nicht komplett aus. Du musst nur merken mit der Zeit wie toll ich bin.

Die Treffen sind weiterhin schön. Alles dazwischen eher frustrierend. Ich habe das Gefühl ich zeige mehr Initiative bezüglich weiteren Treffen und unserer Kommunikation. Ich spreche das an, du erklärst mir, dass du so viel Kommunikation durch Beruf und Alltag hast und daher eher mehr Ruhe brauchst. Ich habe das nicht und wünsche mir eher mehr Kommunikation. Nicht pausenlos aber so einmal am Tag eine kurze Nachricht wäre schön für mich.

Das zweite (dicke) Warnsignal: Du sagst wir müssen reden. Du sagst für dich ist alles okay so, aber du merkst, dass es für mich nicht okay ist. Du hast Recht. Du sagst, du kannst dir keine monogame Beziehung mit mir vorstellen. Nur eine Freundschaft Plus in der beide weiterhin offen kommunizieren und auf sich Acht gaben aber eben nicht im Rahmen einer monogamen Beziehung.

Ich bin richtig verletzt. Ich bin enttäuscht. Ich brauch erstmal Zeit für mich. Aber die Treffen sind doch so toll? Es läuft doch so gut? Wir haben so viel gemeinsam? Ich verstehe dich nicht. So viele Dinge die passen, da muss man doch zugreifen?

Ich melde mich wieder und sage wir können uns weiter treffen weil es ja eigentlich alles schön ist. Du wirst schon merken wie toll ich bin. In dieser Zeit arbeite ich an mir, so dass ich drüber stehen kann, wenn du was mit anderen Männern hast. Da müssen nur irgendwelche alten Wunden heilen. Das ist ja voll ego und altmodisch wenn man einer Frau sagt man will sie sexuell nur für sich.

Die Treffen sind weiterhin schön. Dazwischen frustrierend. Ich dachte ich rutsche in die Freundschaftszone (da wir beide sehr körperlich sind und gerne kuscheln), aber dann haben wir das erste Mal Sex. Du sagst das ist ein großer Schritt für dich bezüglich Vertrauen. Es war super für uns beide. Auch das passt irgendwie zusammen. Wir sind über Tage noch begeistert von unserem Abend. Vielleicht denkt sie jetzt doch so langsam an die Möglichkeit einer Beziehung.

Das dritte Warnsignal: Du sagst so ganz locker, dass du wahrscheinlich bald wieder anfängst zu daten. Autsch. Da tut irgendwas weh. Ich bin irgendwie sprachlos. Warum? Du sagst du bist kein Affären Typ. Du sagst du brauchst ewig bis du dich auf jemand einlässt. Du sagst du brauchst nicht unbedingt Sex und kannst auch drauf verzichten. Du sagt du hast kaum Zeit für Partnerschaft. Ich verstehe das nicht.

Die Treffen sind weiterhin wunderschön. Ich spreche das Thema an und sage, dass ich nichts von deinen Dates wissen möchte, weil mich das verletzen würde. Du sagst du findest gut, dass ich das sage und meinst auch, dass du momentan sowieso keine Lust auf Dates mit anderen hast. Du sagt du möchtest von meinen Dates aber alles wissen. Also für dich passt diese Abmachung.

Das vierte Warnsignal: Du versicherst mir, dass du gerade ohnehin nicht an Dates mit anderen denkst. Du sagst mir du würdest wenn sowieso nicht davon erzählen wollen. Du sagst mir, falls was ernst werden sollte du es mir dann schon sagen würdest.

Autsch. Irgendwas tut da weh. Hä!? Du spricht immer davon, dass du nichts festes (monogames) willst, du mir aber Bescheid gibst wenn es was ernstes geben soll? Du willst keine monogame Beziehung allgemein oder keine monogame Beziehung mit mir!? Wenn sich das was ernstes (besseres) ergibt werde ich abgelöst!? Ich habe Angst vor dieser Frage und der Wahrheit dahinter. Könnte ja an mir liegen.

Wenn ich mich hinstelle und dir sage was ich mir wünsche für unser Zusammen … Regelmäßiger Kontakt, regelmäßige Treffen, Monogamie … dann wirst du mir nicht entgegenkommen. Tief im Inneren weiß ich das. Ich werde das beenden müssen. Ich habe Angst davor. Die Treffen sind doch so wunderschön. Finde ich jemals wieder jemand, bei dem so vieles passt?

Einmal wieder einen Schritt heraus:

Und wieder habe ich eine alte Geschichte die sich immer wieder wiederholt. Ich unterdrücke meine Bedürfnisse, passe mich an. Ich brauche ja niemand! Aber irgendwie doch! Wenn ich mir nur noch mehr Mühe gebe wirst du schon merken wie toll ich bin. Ich habe Angst dich zu verlieren. Bitte gebe mir mir Sicherheit. Man, warum brauche ich diese Sicherheit, kann ich das nicht optimieren?

Diese Geschichte ist eine Vertraute. Ich habe von früh auf gelernt, dass ich auf diese Weise Bindung zu mir wichtigen Menschen sichern kann. Wenn ich mich hinstelle und mich zeige, werde ich abgelehnt. Aber man muss sagen: Diese Geschichte kann sich nur wiederholen, wenn man die dazu passenden Frauen aussucht.

Komischerweise kenne ich auch die andere Seite. Wenn eine Frau was festes mir mit will, dann ziehe ich mich zurück. Die Ursache bleibt die gleiche: Angst vor Ablehnung. Angst, dass meine Grenzen überfahren werden und ich nicht mit gestalten kann. Angst Bedürfnisse zu zeigen. Angst vor emotionaler Nähe.

Ich komme zum Ende, versprochen:

Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass ich eine Beziehung mit Verbindlichkeit suche. Mit Verlässlichkeit. Mit Sicherheit (auch wenn es die nie ganz gibt). Aber zumindest mit dem Verspechen, dass wir es versuchen und in dieser Zeit exklusiv für uns bleiben. Wir können über alles offen reden. Ich denke immer es liegt an mir, dass ich mich verändern muss. Alle reden von offenen Beziehungen, Freundschaft Plus, Polygam und so weiter.

Ich kann da nicht mithalten. Ich scheine durch meine Erfahrungen nicht sicher genug aufgestellt zu sein. Ich habe mich schon sehr gut weiterentwickelt. Ich kann meine Bedürfnisse kommunizieren, ich kann Meinungsverschiedenheiten mal stehen lassen. Ich kann mich immer mal wieder verletzlich zeigen und dadurch Nähe erzeugen. Aber es darf auch mal so sein wie es ist.

Ich wünsche mir, dass ich wieder die Chance erhalte auf eine Frau zu treffen die sich eine feste Beziehung mit mir wünscht. Ich stelle mir vor, dass man mit so einer Frau Kompromisse findet. Ich stelle mir vor, dass diese Frau meine Eigenheiten akzeptiert weil ich es ihr wert bin. Ich stelle mir vor, dass ich die Eigenheiten dieser Frau akzeptiere, weil sie es mir wert ist.

Ich wünsche mir, dass ich dann auch endlich zugreifen kann. Ohne irgendwelche Dinge zu suchen die schlecht an ihr sind, nur um ein Argument zu haben um sich aus der Umklammerung zu lösen. Wenn ich ihr kommuniziere, was in mir los ist und warum, wird sie es verstehen wenn sie die richtige ist.

Ich denke, ich habe mich nun oft genug verbrannt. Nun gilt es nur, mich frei zu machen von der aktuellen Situation.

To be continued …. Bitte her mit den Kommentaren, ich freue mich sehr darüber 🙂

2 Kommentare zu „J*** aus dem Kopf

  1. Berührend für mich, dein Artikel. Aus meiner Perspektive, es ist die einer Frau, Ende 50, sehr lange verheiratet und im Prinzip überzeugte „Monogamistin“, liest sich das sehr kompliziert. Andererseits stelle ich an mir fest, dass ich, je älter, desto mehr Freiheit bei der Gestaltung von Beziehungen wünsche und auch durchsetze – und sowohl die Freude als auch den Schmerz und die Angst, gründend auf „alten Muster“ erlebe.
    Sind wir monogam angelegt? Nicht alle, oder?
    Persönlich meine ich, dass es durchaus Sinn macht, Beziehungen neu zu gestalten.
    Aber die jeweiligen eigenen Bedürfnisse brauchen Raum und Erfüllung; nichts ist mE schlimmer und schmerzhafter, als sich selbst zu belügen und zu verbiegen. Liebe Grüße an dich und Danke für deine Offenheit. Finde ich toll und sehr „befruchtend“.

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für die lieben Worte, das freut mich, dass du bei mir kommentierst. Finde es halt irgendwie blöd wenn man gleich alles hinschmeisst weil es mal gerade nicht so gut läuft. Glaub dieses Commitment ist schon was schönes und verlässliches.

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